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Wer die Menschen nicht nährt, füttert Konflikte

Wenn in armen Familien das Essen für die Kinder wegfällt, werden die Kinder oft von der Schule genommen und verheiratet oder müssen stattdessen arbeiten, sagt Carmen Burbano vom WFP “School Feeding Program”.

Schulessen: In Abidjan in der Elfenbeinküste stehen Kinder an. Ohne diese Versorgung müssen Kinder oftmals arbeiten oder werden früh verheiratet. (Quelle: imago-images-bilder)

Das Problem liegt nicht in der Zukunft, sondern schon in der Gegenwart: Vor Covid wurden 388 Millionen Schulkinder durch solche Programme gespeist, Anfang des Jahres waren es 56 Millionen weniger. In Kirgisistan gibt es nur noch an zwei bis drei statt fünf Tagen Schulessen. In Syrien wird das Essen an Schulen auf 1.000 Kalorien rationiert.

Das ist also die Ausgangslage. Aber was sind die Szenarien? Es kommt alles darauf an, wie gut die Welt reagiert. Und da gibt es drei Szenarien:

Getreideproduktion und Getreideverbrauch werden weltweit konsequent gemanagt. Es geht weniger in Biosprit und Tiernahrung, und wer kann, spart Getreide. Exporte werden nicht blockiert. Die Welt bleibt stabil.

Die Welternährungsprogramme erhalten massive Hilfe und geben in Schulen und bedrohten Regionen genügend Mahlzeiten aus, um die schwersten humanitären Folgen zu dämpfen. Wer kann, hamstert trotzdem.

Wenn wir nichts unternehmen, gilt: Wer keine Menschen füttert, füttert Konflikte. Der Arabische Frühling entstand in einer Zeit, als es in fast 40 Ländern Hungerrevolten gab. Es droht zweierlei:

Erstens drohen durch Hunger weltweit politische Instabilität und Gewalt, was Wolodymyr Selenskyj auch früh vorbrachte. Zweitens könnte das Chaos und der Hunger viele Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen und zu flüchten: in die Regionen mit genügend Essen, beispielsweise Europa. Massenmigration wiederum stärkt oft rechte Parteien – und das stärkt Putin.

Brot für die Ägypter: Das Grundnahrungsmittel wird bisher stark subventioniert, höhere Preise gelten als möglicher Aulöser von Unruhen. Und das Land ist stark auf Import angewiesen.
Brot für die Ägypter: Das Grundnahrungsmittel wird bisher stark subventioniert, höhere Preise gelten als möglicher Auslöser von Unruhen. Das Land ist zudem stark auf Import angewiesen. (Quelle: imago-images-bilder)

Szenarien wie diese drei sollen keine Angst machen, sondern uns dazu befähigen, auf den Best Case zuzusteuern. Welches Szenario es wird, hängt von der inhärenten Kernunsicherheit ab – wie gut gelingt es uns, diese entstehende Krise zu managen? Wir haben einige Reaktionsmöglichkeiten.

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